Was ich anderen auf den Weg geben möchte8 min read

Ich weiß, eigentlich wollte ich ja eine Abschiedsserie machen. Und der Begriff „Serie“ impliziert ja, dass ich mehrere Artikel veröffentlichen sollte, nicht nur einen. Aber ich habe Erklärungen hust schlechte Ausreden: Bachelorarbeit, 40°C, und ein Bett, das einfach zu einladend ist, um nicht darin auszuschlafen. Aber wie dem auch sei, versprochen ist versprochen.

Bevor ich von hier verschwinde, will ich allen, die mit ERASMUS nach Straßburg oder irgendwo anders hingehen werden, noch ein paar Tipps geben, schließlich war ich jetzt ein Jahr weg und vielen steht noch mindestens ein Semester bevor. Viele dieser Tipps werden speziell auf Straßburg bezogen sein, andere sind auch allgemein, also reinschauen lohnt sich 🙂

Ich habe mir gedacht, dass eine Art fiktives Q&A ganz nett wäre, um die Tipps an den Mann zu bringen. Damit ihr euch auch etwas zurechtfindet und gleich das findet, was euch wahrscheinlich am meisten interessiert, habe ich das Ganze auch etwas gegliedert: Erst geht es um allgemeine ERASMUS Sachen, dann geht es um Straßburg.

ERASMUS allgemein

Ich habe gehört, man muss richtig gut sein, um zu ERASMUS zugelassen zu werden, reicht mein Notenschnitt überhaupt?

Das Problem bei der Antwort zu dieser Frage ist, dass der Zulassungsprozess an der TUM nicht sehr transparent ist. Daher kann ich euch nicht genau sagen, ab welchem Schnitt man an der TUM zugelassen wird. Ich weiß nur von anderen Unis, dass sie lieber mehr Studenten die Möglichkeit geben wollen, ins Ausland zu gehen, als weniger Studenten. Mein Schnitt ist jetzt auch nicht so glorreich, also versuchen lohnt sich 🙂

In welche Stadt/Land soll ich gehen?

Ich wollte mit ERASMUS in ein französischsprachiges Land, um mein Französisch wieder aufzupolieren. Mit ERASMUS kann man ja nur innerhalb Europas Austausche machen, daher blieb als französischsprachiges Land nur Frankreich über.

Meine Uni hat außerdem nur für Austauschstudenten eine Datenbank angelegt, die sämtliche Studiengänge in ganz Europa erfasst. In dieser Datenbank habe ich dann nachgesehen, in welchen französischen Städten mein Studiengang, also Geodäsie angeboten wird. Das waren Paris und Straßburg. Tatsächlich wird Geodäsie auch noch, wie ich jetzt weiß, auch in Montpellier angeboten, aber das stand nicht in der Datenbank. Also hatte ich die Wahl zwischen einem sehr teuren Paris und Straßburg, einer Stadt, von der alle, die mir davon erzählten nur schwärmten. Außerdem war ich Paris schon, in Straßburg noch nicht und so fiel meine Wahl auf Straßburg.

Wie ihr euch für einen Ort entscheiden sollt, hängt natürlich ganz von euch ab. Gibt es eine Sprache, die ihr schon immer mal lernen wolltet? Nichts hält euch davon ab, in ein Land zu gehen, dessen Sprache ihr noch überhaupt nicht kennt. Ich kenne ganz viele hier, die herkamen, ohne ein Wort Französisch zu sprechen und die es jetzt fast perfekt sprechen. Gibt es vielleicht bestimmte Städte, Kulturen oder Länder, die euch interessieren? Und nicht zuletzt solltet ihr natürlich auch nachsehen, wo euer Studiengang im Ausland überhaupt angeboten wird. Das schränkt die Auswahl nämlich ziemlich ein.

Wie lange soll ich ins Ausland gehen? Ein, zwei oder vielleicht sogar drei Semester?

Zunächst: Wenn ihr mit ERASMUS ins Ausland geht, seid ihr eh auf zwei Semester beschränkt. Da ich aber weiß, dass es auch Unis gibt, die untereinander Partnerschaften geschlossen haben, die auch drei Semester erlauben, will ich es auch mal hier miteinschließen.

Ein Semester finde ich definitiv zu kurz. Ich persönlich hatte im Januar überhaupt keine Lust, zurückzukommen und auch alle anderen Studenten, die nur ein Semester hier waren, hatten noch keine Lust, zurückzukommen. Nach einem Jahr sieht das, zumindest bei mir schon anders aus. Ich würde ungern jetzt noch ein Semester hier machen müssen. Ein Jahr war also genau richtig für mich.

TL; DR Ein Semester ist definitiv zu kurz, drei Semester sind Geschmackssache. Ich würde ein Jahr empfehlen.

Wie wähle ich den Studiengang aus, den ich im Ausland studieren werde?

Meine Empfehlung lauten ganz klar, dass ihr das gleiche (oder zumindest etwas Ähnliches) im Ausland zu studieren solltet, wie bei euch zu Hause, denn Fremdsprachen können ganz schön schwer werden. Sich bereits in die Fachsprache des eigenen Fachgebiets einzulernen, kann schwierig werden. Dann das Ganze auch noch in einem fremden Studiengang zu machen, von dem ihr noch keine Ahnung habt, ist nochmal härter. Außerdem könnt ihr euch Prüfungen aus dem Ausland bei euch im Studium nur dann anerkennen lassen, wenn sie inhaltlich zumindest sehr ähnlich zu eurer Prüfung bei euch sind.

Wie viel kostet ein ERASMUS-Studium (Studiengebühren)?

Das ist eine schwierige Frage. Das Studium an sich nichts. Ihr bekommt sogar Geld, ERASMUS ist nämlich so eine Art Stipendium. Ihr müsst noch ganz normal etwaige Studiengebühren an eurer Heimatuni zahlen, denn ihr bleibt dort nämlich während des gesamten Austauschs immatrikuliert. In meinem Fall sind das aber nur vernachlässigbare 150€/Semester. Je nach der Länge eures Austauschs bekommt ihr aber einen Beitrag gezahlt, der deutlich höher ist. Theoretisch richtet sich dieser Betrag nach der exakten Anzahl an Tagen, die ihr im Ausland verbringt, aber weil die EU nur beschränkte Mittel für ERASMUS bereitstellt, sind die meisten eurer Tage im Ausland sogenannte „Zero-Grant-Tage“ und zählen nicht in der Bewertung. Praktisch bedeutet das also, dass eure Aufenthaltsdauer im Ausland in Kategorien eingeteilt wird. Bei mir waren das, wenn ich mich recht erinnere, < 90 Tage, > 90 Tage aber < 5 Monate und > 5 Monate. Der Betrag, den ich bekommen habe, waren rund 2.000 €. Das klingt erstmal viel, ging aber bei mir ganz für die Miete drauf.

Wo soll ich wohnen?

Im Normalfall gibt es um die Unis herum Studentenwohnheime. Hier in Straßburg wohne ich in einem, das direkt vom hiesigen Studentenwerk, dem „CROUS“ betrieben wird. Allerdings gibt es auch einige private hier. Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, dass die privaten eine bessere Wohnqualität bieten, als die des Studentenwerks, gleichzeitig aber natürlich auch teurer sind. Wichtig sind, meiner Erfahrung nach folgende Dinge bei der Auswahl eines Wohnheims: Sauberkeit (sucht z. B. mal auf Facebook nach einer eventuellen Wohnheimgruppe und fragt eines der Mitglieder, wie sauber es im Wohnheim ist). Wir haben bei uns z. B. Putzkräfte, die jeden Morgen fleißig zur Arbeit kommen, um eine Ganztagesbrotzeit zu machen und ab und zu die Küchen als Strafe zuzusperren, wenn wir sie nicht selber putzen. Entsprechend schmutzig sind die Küchen meistens.

Schaut außerdem unbedingt, was es für Freizeitangebot gibt und fragt auch da wieder in der Facebookgruppe, was davon auch wirklich angeboten wird, denn die Homepage kann lügen. Ich habe nämlich für mich festgestellt, dass ich selten selber koche und die Küchen bei uns auch nicht sehr einladend sind, um einfach nur dort rumzusitzen. Hätten wir bei uns einen benutzbaren Hobbyraum, wäre das eine astreine Gelegenheit, andere kennenzulernen. So habe ich natürlich auch andere kennengelernt, aber mit einem Hobbyraum wäre es einfacher gewesen.

Wie hast du Freunde gefunden/Wie hast du deine Freizeit voll bekommen?

Ich habe bereits einen Artikel über Einsamkeit verfasst. Die Kernaussage ist, dass ihr nicht die einzigen seid, die Freunde suchen. Ich persönlich dachte, ich würde meine Freunde hier um mich herum im Wohnheim finden. Das habe ich auch zum Teil, aber die meisten habe ich nicht im Wohnheim kennengelernt, sondern irgendwo anders. Mein Tipp daher: Tragt euch in so vielen Vereinen und Gruppen wie möglich ein: Sportverein, Spiele, Theater, Musik, … und auch nicht nur in einer Sportgruppe, sondern vielleicht in zwei, drei oder mehr. Denn in je mehr Gruppen ihr seid, desto mehr Menschen stehen euch als potentielle Freunde zur Auswahl.

Straßburg

Bringt es wirklich was, am INSA (oder einer grande école im Allgemeinen) zu studieren oder reicht es, wenn ich an die Straßburger Uni gehe (Unistra)?

Wenn es um die Qualität der Ausbildung geht, denke ich nicht, dass sich die Uni und das INSA viel geben. Natürlich habe ich nur am INSA studiert und kenne das Studium an der Unistra nur von Erzählungen, aber so, wie ich es sehe, liegt der größte Unterschied in der Atmosphäre: Die Unistra ist halt eine Uni inklusive Massenvorlesungen, etwas freierer Einstellung (à la wenn du nicht willst, musst du nicht kommen). Das INSA hat halt Klassen von bis zu 30 Studenten. Vorlesungen mit mehr als 30 Studenten gibt es auch, sind aber selten. Auch wenn es nicht jeder Lehrer mit der Anwesenheitskontrolle so genau nimmt, ist die grundsätzliche Einstellung der Studenten eher „Vorlesungen sind heilig“. Ich habe das eine oder andere Mal eine Vorlesung ausfallen lassen, bei der nicht nur ich schon das eine oder andere Mal eingenickt bin. Und es ist gemeinhin bekannt, dass die Vorlesungen dieses Lehrers Schlafmittelcharakter haben, dennoch wurde ich von meinen Kommilitonen danach mit einem „Du kannst doch nicht einfach so die Vorlesung schwänzen“ begrüßt.

TL; DR Es hängt ganz davon ab, was ihr von zu Hause gewohnt seid. Ich bin in München Unileben wie an der Unistra gewohnt. Wenn ihr das Leben weiterleben wollt, empfehle ich euch die Unistra. Wenn ihr auch mal andere Lerneinstellungen kennenlernen wollt, nehmt das INSA.

Hattest du keine Sehnsucht?

Doch.

Werden diese FAQ irgendwann enden?

Ja, und zwar jetzt. Ich weiß, es war mal wieder etwas viel für einen Artikel, aber wenn ich motiviert bin, dann bin ich halt motiviert. Außerdem ist es gerade erst 8 Uhr morgens (weil mein Körper entschieden hat, mich schon um 7 aus dem Bett zu werfen) und noch nur 25° warm. Daher genieße ich gerade meine produktive Phase 🙂

Ach übrigens: Countdown: Noch 7 Tage, dann fahre ich wieder zurück 🙂

Antworten

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