Französischunterricht vom Feinsten7 min read

Kennt ihr die Leute, die jede Minute auf Facebook oder Snapchat (das ich übrigens zu Schnapp-Shit umgetauft habe) posten, was sie gerade tolles machen? „Hey, jetzt bin ich auf der Toilette.“ (Selfie angehängt) und „Den habe ich gerade aus meiner Nase rausgeholt“ (mit einem Foto von…Naja, ihr wisst schon)

Obwohl ich genau das ja eigentlich nicht mag, werde ich es einfach mal in diesem Beitrag genauso machen. Ich mache also quasi einen Vlog in Schriftform, also einen Slog, oder einen … Blog eben halt.

Kurzes Vorwort

Bevor ich hier festhalte, was geschehen wird, ein kurzes Vorwort. Wir sind von meiner Uni hier, dem INSA, dazu verpflichtet worden, Französisch als Fremdsprache zu belegen. Wir haben also jeden Donnerstagabend 2 Stunden Französischunterricht genau wie damals in der Schule. Dabei sind wir in 2 Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe (in der ich leider nicht bin), die einen super coolen Lehrer hat und eine (in der ich leider bin), die eine Lehrerin hat, die zum einen ziemlich streng ist, aber auch etwas… sagen wir mal weltfremd ist. Ich verpflichte ja keinen, „Game of Thrones“ oder „House of Cards“ zu kennen, aber „The Big Bang Theory“ ist doch hoffentlich jedem (auch im Entferntesten) ein Begriff. Dennoch sei eine Sache gesagt: Am Ende des Französischkurses bekommen wir eine Endnote, also eine Art Zeugnis. Dieses können wir uns dann stolz übers Bett hängen, es anbeten oder es einfach in den Müll schmeißen, denn sonst interessiert es keinen. Der einzige Grund, wieso ich diesen Kurs nicht schwänze ist der, dass ich keinen unnötigen Ärger mit dem INSA haben will. Mit diesem Wissen gewappnet: Auf geht’s!

15:00 Uhr

Yay, mein Blogbeitrag zu meiner Studienwahl ist fertig. Jetzt weiß ich wenigstens, was ich in meiner Hausaufgabe für Französisch schreiben werde, jetzt muss ich sie nur noch schreiben.

16:00 Uhr

Okay, die Hausaufgabe ist jetzt auch fertig. Ich habe einfach mal quasi den Blogeintrag genommen und übersetzt. Ich hoffe, die Französischlehrerin hat genug Humor, denn sonst wird’s eine schlechte Note bei mir. Ich glaube nämlich, dass sie ziemlich viel Wert daraufgelegt hat, dass wir in einem etwas formelleren Französisch schreiben und ich habe mir einfach mal erlaubt, meinen Schreibstil zu übernehmen und dann kommt halt das eine oder andere „Was zum Henker“ vor. Ich war auch um ehrlich zu sein nicht in der Stimmung, etwas im Stil von „Ich habe mich schon immer für Mathematik und Informatik interessiert, da lag Geodäsie auf der Hand“ zu schreiben. Das stimmt zwar, dass ich mich schon immer für Mathe und Info interessiert habe, aber es war nicht der ausschlaggebende Grund für Geodäsie. Und außerdem wäre so ein Text stinklangweilig und ich hasse es, Texte zu schreiben, von denen ich weiß, dass sie für den Leser eine Qual werden. Deshalb verbastle ich eben auch ab und zu ein „Was zum Henker“ oder „Was zum Teufel“.

17:00 Uhr

Ich bin jetzt zum INSA losgefahren, um meinen Text auszudrucken. Dort kann man nämlich kostenlos drucken. Und kostenlos scannen. Nur das Kopieren kostet Geld. Das führt also dazu, dass keiner kopiert, sondern alle scannen und dann drucken. Da hat sich das INSA wohl etwas ins eigene Fleisch geschnitten.

17:30 Uhr

Ich bin gerade am INSA angekommen und habe gedruckt. Mit dem Word Viewer. Ich habe noch keinen einzigen Uni-Rechner auf der Welt gesehen, wo kein vollständiges Word installiert ist. Bei uns ist selbst auf jedem Rechner im Copy Shop ein vollständiges Office drauf. Aber der Word-Viewer hat einen Vorteil: Er ist schnell. Während ich meinen Text in ~2 Minuten gedruckt habe, brauchte Stefan (ein anderer Deutscher, der auch bei mir im Französischkurs ist) eine geschlagene Viertelstunde, denn er musste erstmal den Rechner in der Bibliothek hochfahren. Dann musste er sich anmelden. Dann musste der Rechner die Treiber für den USB-Stick installieren. Dann musste er die PDF-Datei vom Stick lesen. Da Stefan in seinem Account den Adobe Reader zum ersten Mal benutze, musste er auch noch die EULA akzeptieren. Und dann musste er drucken. Hört sich doch nicht so schwierig an, oder? Aber da habt ihr die Rechnung ohne den Prozessor gemacht, der bestimmt noch ein Intel Pentium III ist. Denn schon alleine beim Laden der EULA stürzte der Adobe Reader 2 Mal ab. Dann war die EULA endlich akzeptiert, dann brauchte der „Drucken“-Dialog noch mal 30 Sekunden zum Erscheinen und dann stürzte der Reader auch noch mindestens 3 Mal beim Starten des Druckvorgangs ab. Der Druckrechner steht hier in der Bibliothek, es ist also wie immer Ruhe zu wahren, aber ich konnte mich vor Lachen fast nicht mehr halten. Mein anderer Sitznachbar wartete übrigens 5 Minuten darauf, dass Windows sein Benutzerprofil lud.

18:00 Uhr

Der Französischkurs beginnt. Was für ein Schmarrn. Ganz ehrlich: Wenn ich hier mit Leuten rede, dann werde ich doch nicht beim Sprechen im Regelwerk der Grammatik nachschauen, ob da jetzt das Imperfekt oder das Plusquamperfekt oder sonst irgendeine Zeitform reinkommt. Die einzige Gelegenheit, bei der ich das machen kann, ist, wenn ich einen französischen Text schreibe und da habe ich immer Internet zur Verfügung, wo ich die Regeln nachsehen kann. Da sind diese geschlagenen 2 Stunden pro Woche jetzt auch nicht so der Bringer.

18:30 Uhr

Kann dieser Kurs bitte irgendwann aufhören? Wir sitzen hier jetzt und diskutieren, wann das „participe passé“ denn jetzt angeglichen wird und wann nicht, aber nicht nach den üblichen Regeln, die jeder kennt, sondern nach Regeln, die in einem Grammatikheft auf Seite 1824 stehen. Aber natürlich, wir sind ja B2, da geht es um solche Details. Als ob (1.) mein Gesprächspartner wüsste, dass ich B2 bin und (2.) interessiert es ihn doch eh nicht, ob da jetzt ein s hinkäme oder nicht, wenn man das niederschreiben würde, was ich gerade gesagt habe. Schließlich spricht doch eh alles gleich aus.

Ich habe übrigens eine neue Abkürzung entwickelt: IDGAF = I don’t give a fuck!

19:00 Uhr

Puh, schon 19:00 Uhr, nur noch eine Stunde!

19:15 Uhr

Jetzt ist gerade ein guter Moment gekommen, um sich gedanklich aus dem Kurs auszuklinken, denn gerade ist eine wilde Diskussion entbrannt, ob es eine Mutprobe sei, wenn ein Mädchen im Jugendalter schwanger wird. Der Auslöser: Aus irgendeinem Grund sagte einer der Mexikaner, dass viele Mädchen in Mexiko genau das als Mutbeweis sehen: „Hey, ich kann ein Kind großziehen!“ Dass es natürlich dem Kind schadet, ist den meisten Müttern wohl nicht bewusst, aber hey: IDGAF!

19:40 Uhr

Die Diskussion dauert immer noch an. Obwohl ich die Diskussion etwas dämlich finde (denn alle im Raum sind derselben Meinung), habe ich die Diskussion lieber als den Französischunterricht.

19:55 Uhr

Ja, nur weiter so!! wenn ihr noch 5 Minuten weiterdiskutiert ist der Kurs um!

20:05 Uhr

Uff, der Kurs ist jetzt vorbei. Die Diskussion dauerte wirklich bis zum Ende. Ab und zu wurde ich von der Lehrerin gefragt, ob es denn in Deutschland genauso sei wie anderswo. Da ich immer mit einem Ohr zuhörte, konnte ich immer antworten, während sich mein anderes Ohr schon außerhalb des Raumes befand. Aber jetzt sind beide Ohren wieder an ihre Plätze an meinem Kopf zurückgekehrt und wir können losgehen zum donnerstäglichen Burgeressen in der Mensa (die hier übrigens echt gut ist).

Ein kurzes Nachwort (Mampf)

Ich muss sagen, die Burger hier sind in der Mensa echt gut. Eine super Belohnung nach dem Französischkurs. Und das Beste: Die werden jeden Donnerstagabend hier angeboten. Während ich hier also gemütlich Burger esse, lasse ich euch mal wieder alleine. Während ihr auf den nächsten Beitrag wartet, könnt ihr euch übrigens direkt unter dem Beitrag „Ähnliche Beiträge“ ansehen und natürlich fleißig kommentieren und teilen.

 

Ja, ich weiß, diesen Schmarrn von wegen „Teile, like und kommentiere“ sagt jeder Youtuber am Ende seines Videos und eigentlich ist es auch ziemlich unkreativ und ich komme mir auch irgendwie vor, wenn ich so was schreibe, aber auf der anderen Seite ist es halt ein wunderbarer Abschluss für diesen Beitrag. Verzeiht es mir also dieses eine Mal 🙂

 

Ach so und Abo weiter unten nicht vergessen 😉

2 Antworten auf „Französischunterricht vom Feinsten7 min read

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