#FreddiesMeinung

Facebooks Abstieg – Eine Bestandsaufnahme von sozialen Netzwerken4 min read

Nach Datenskandalen, Imagekampagnen und vielen Erfolgsfeatures, die sich alle gegenseitig abkupfern ähnelt die Landschaft der sozialen Netzwerke heute kaum mehr dem, was es vor einigen Jahren gab. Ich bin begeisterter Instagram-Nutzer, genauso gibt es aber auch Twitter-Fetischisten, WhatsApp-Zombies und Snapchat-Models, Facebook ist aber seit dem Datenskandal etwas ins Straucheln gekommen. Diesen Umbruch möchte ich als Gelegenheit nehmen, um mal über mein Auftreten in sozialen Netzwerken nachzudenken. 

Als ich 14 war, wagte ich den ersten großen Schritt: Ich registrierte mich bei Facebook. Es war nicht der erste Kommunikationsdienst, dem ich meine Daten schenkte. Die erste Plattform, auf der ich vertreten war, war Skype. Damals waren beide Dienste noch auf ihre Weise eine große Nummer: Wer mit Freunden auf der anderen Seite der Erde kostenlos telefonieren wollte, benutze Skype. Wer seine Fotos mit Freunden und Bekannten teilen wollte, benutze Facebook. YouTube, Instagram und Co gab es zwar schon, aber alles war noch in den Anfängen. Jetzt versucht Facebook gerade, sein Image nach dem Datenschutzskandal wieder zu reparieren und Skype hat solche technischen Probleme, dass es auch fast am Ende ist.

Viele machen bei dem Gedanken an Facebook aber einen fundamentalen Fehler: Ja, dem sozialen Netzwerk Facebook geht es schlecht, aber das bedeutet nicht, dass es dem Unternehmen Facebook Inc. schlecht geht. Mit Facebook verhält es sich nämlich wie mit Nestlé: Wer denkt, dass Häagen-Dazs und Mövenpick Konkurrenten sind, der irrt, denn alles ist Nestlé. Und wer denkt, dass Instagram Facebook die Show stiehlt, der irrt auch, denn Instagram gehört, wie WhatsApp auch, zu Facebook Inc. Dem Unternehmen Facebook Inc. geht es also gar nicht so schlecht, denn sie haben sich früh bei WhatsApp und Instagram eingekauft.

Das bringt aber wieder einen anderen Nachteil zu Tage: Datenschutz. Viele versuchen, das Thema mit einfachen Sätzen wie „Ich habe ja nichts zu verbergen“ oder „Die haben meine Daten ja eh schon“ abzuwimmeln, aber so einfach ist dieser Aspekt nicht. Viele führen dann auch an, dass WhatsApp ja die Nachrichten mit dem Signal-Protokoll verschlüsselt, es kann also keiner lesen, was in den Nachrichten steht. Was WhatsApp (und damit auch Facebook) sehen kann, ist, wer mit wem wie häufig kommuniziert und wie viel. Und alleine daraus lassen sich wertvolle Analysen erstellen. Natürlich geht es dabei primär darum, passendere Werbung für jeden anzuzeigen. Wie erpressbar die Nutzer dadurch aber werden, zeigen z. B. die Serie „You are wanted“ oder das Buch „Die Optimierer“. Um auf die Analogie mit Nestlé zurückzukommen: Wer Nestlés Firmenpolitik nicht unterstützen möchte, der hat es nicht einfach, aber es ist möglich, bewusst einzukaufen, ohne dabei Nestlé-Produkte zu verzehren. Wer jedoch soziale Netzwerke boykottieren möchte, der wird auf schmerzhafte Weise feststellen müssen, wie tief soziale Netzwerke in der heutigen Gesellschaft verankert sind.

Ein weiterer Kritikpunkt, den ich von Vielen über die heutige Jugend und die sozialen Netzwerke höre, ist, dass die Inhalte, die gepostet werden, immer stupider werden. Als Beispiel wird dann immer der Trend angeführt, das eigene Essen zu fotografieren und zu teilen. Damit das klar ist: Ich finde solche Posts auch nicht gut. Was dabei allerdings oft vergessen wird: In der Fülle an unnötigen Posts finden sich auch immer wieder gut durchdachte Beiträge, die es ohne soziale Netzwerke nicht unbedingt geben würde. Außerdem sind langweilige Beiträge nichts Neues: Während es heute das eigene Essen ist, kann ich mich sehr gut an all die Personen erinnern, deren gesamte Facebook-Chronik voll mit Memes und pseudolustigen Videos ist, die für einen kurzen Lacher sorgen, mehr aber nicht.

Ein Aspekt, in dem sich soziale Netzwerke allerdings gewandelt haben, ist die Entwicklung von der persönlichen Vernetzung zur Selbstinszenierung. Facebook, MySpace und Lokalisten hatten eher den Zweck, mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben, auch wenn man sie lange nicht gesehen hat. Natürlich ist dieser Aspekt nicht komplett verschwunden, im Gegenteil, ich kenne sehr viele Menschen, die soziale Netzwerke auch heute noch zu diesem Zweck nutzen. Der Trend, sein Online-Profil mehr zur Selbstdarstellung zu verwenden, ist dennoch nicht von der Hand zu weisen. Selbst ich nutze meinen Instagram-Account nicht mehr dazu, um zu sehen, was meine alten Schulfreunde machen, vielmehr ist es eine Plattform, auf der ich meine Weltsicht teilen kann. Auf der anderen Seite gibt es aber auch immer mehr „Influencer“, die zwar einen großen Schwarm an Followern um sich haben, diesen aber nur mit bedeutungslosen Selfies von sich selbst versorgen.

Grundsätzlich denke ich jedoch, dass soziale Netzwerke eine Industrie sind wie jede andere auch: Firmen kommen und gehen, Monopole entstehen und werden untergehen und auch Facebook Inc. wird es früher oder später wie MySpace und Lokalisten.de ergehen: Ein neuer, besserer Anbieter wird kommen und Facebook verdrängen.

P. S.: Jaja, ich weiß, ich wollte eigentlich immer sonntags posten, aber besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen 😉

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